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Alpine Wildflusslandschaften

  • Mäandernde Isar, (c) Gregor Baumert
    Mäandernde Isar, (c) Gregor Baumert

Land: Deutschland
Termin: 04.06.2027 bis 08.06.2027 (5 Tage)
Referent: → Gregor Baumert
Teilnehmende: min. 5, max. 12
Veranstalter: NABU|naturgucker-Reisen

Allgemeine Informationen

Zielarten dieser Praxistage

Gelbbauchunke, Flussregenpfeifer, Flussuferläufer, Eisvogel, Gebirgsstelze, Wasseramsel, Frauenschuh, Knabenkräuter, Sibirische Schwertlilie, Deutsche Tamariske, Enzian, Flussufer-Wolfspinne, Dünen-Sandlaufkäfer, Wald-Wiesenvögelchen, Schachbrett- und viele andere Falter, eventuell Gefleckte Schnarrschrecke, Kiesbank-Grashüpfer, Türks Dornschrecke, Gebänderte Prachtlibelle, Alpensalamander, Schling- und Ringelnatter, Kreuzotter und Biber

Die knapp 300 km lange Isar hat ihren Ursprung im Karwendel in Tirol. In ihrem Oberlauf ist sie noch, zusammen mit dem rund 30 km langen Rißbach, einer der wenigen naturnahen Wildflüsse in den Alpen. Auf breiten Sand- und Schotterbänken verlagert und spaltet sich der Flusslauf immer wieder je nach Wassermenge. Dieser dynamische Lebensraum stellt besondere Anforderungen an die hier zahlreich vorkommenden Tier- und Pflanzenarten. Viele von ihnen sind selten oder sogar vom Aussterben bedroht, weil es kaum noch derartige Lebensräume gibt. Geschützt wird die eindrucksvolle und international bedeutende Flusslandschaft gleich mehrfach: Der Abschnitt flussaufwärts vom Sylvensteinspeicher gehört zum Naturschutzgebiet Karwendel und Karwendelvorgebirge und ist Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000 sowie als FFH-Gebiet ausgewiesen. Nördlich von Bad Tölz steht die Isar bis zur Landkreisgrenze München als Naturschutzgebiet und FFH-Gebiet Oberes Isartal unter besonderem Schutz. Darüber hinaus sind große Teile des gesamten Flusslaufs als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen.

Auf weiten Strecken ist der ursprüngliche Charakter der Isar jedoch durch bauliche Maßnahmen vor allem zur Energieerzeugung und zum Schutz vor Hochwasser verändert worden. Auch aus dem Oberlauf wird Wasser abgeleitet. Bei diesen Praxistagen lernen wir die Obere Isar in ihren natürlichen sowie in den vom Menschen geprägten Facetten kennen – von der Quelle bis zum Walchenseekraftwerk. Unsere Exkursionen unternehmen wir vom malerischen Bad Tölz im mittleren Isartal aus. Sie führen uns in die vielfältigen Naturräume an der Isar, vor allem an Kiesbänke, in Auwälder und an Stauseen, in Bayern und Tirol.

Vor Ort treffen wir teils Ranger*innen, Gebietsbetreuer*innen, Mitarbeitende des Landschaftspflegeverbands sowie Mitglieder des Isartalvereins – der ältesten Naturschutzorganisation Bayerns, die ihr tiefes Wissen über ihre Projekte und die dort vorkommende Artenvielfalt mit uns teilen. Schwerpunkte bilden Pflanzen und Tiere der Kiesbänke, Amphibien, Reptilien, Orchideen und andere lebensraumspezifische Pflanzen. So ist die → Deutsche Tamariske (Myricaria germanica ) typisch für alpine Wildflüsse in Europa. In Deutschland ist sie vom Aussterben bedroht. Diesen Status haben auch → Kiesbank-Grashüpfer (Chorthippus pullus), → Gefleckte Schnarrschrecke (Bryodemella tuberculata) und → Türks Dornschrecke (Tetrix tuerki). Von den möglichen Zielarten gelten → Flussuferläufer (Actitis hypoleucos) und → Kreuzotter (Vipera berus) als stark gefährdet. Bei optionalen abendlichen Exkursionen können wir außerdem → Fledermäuse (Chiroptera sp.) bei der Jagd und → Biber (Castor fiber) beobachten.

Wer noch tiefer in die thematisierten Lebensräume einsteigen möchte, die wir bei diesen Praxistagen besuchen, kann dies zum Beispiel mit den kostenlosen Online-Lernangeboten → Fließgewässer Grundwissen oder → Alpen Grundwissen der NABU|naturgucker-Akademie tun – vor oder nach den Praxistagen. Im Programmtext weiter unten finden sich einige weitere Hinweise auf artspezifische Lernangebote. Die Beschäftigung mit den Kursen ist keine Voraussetzung für die Teilnahme. Elemente der Lernangebote sind zudem Teil der Exkursionen und abendlichen Besprechungen.

Programm

1. Tag: Anreise und Kennenlernen der (Arten-)Gruppen

Bis 13:00 Uhr erfolgt die individuelle Anreise der Teilnehmenden. Nach dem Ankommen und Kennenlernen bei Kaffee und Kuchen starten wir am (Nach-)Mittag zu einem entspannten Spaziergang durch Bad Tölz. Unser Weg führt uns auf den Kalvarienberg sowie weiter zum Isar-Stausee, wo wir erste Eindrücke der Landschaft und des Naturraums sammeln. Am Abend kommen wir im Hotel zu einem kurzen Vortrag zusammen. Dabei erhalten wir eine Einführung in den Naturraum der Isar und einen Überblick über die Inhalte und Schwerpunkte der kommenden Tage.

2. Tag: Reptilien in den Isarauen und ein Blick auf Weideprojekte und ihre Pflanzen

Am Morgen brechen wir zu einer Exkursion in die Pupplinger Au auf. Gemeinsam mit einem Isar-Ranger widmen wir uns zunächst den Reptilien der Isarauen und erhalten Einblicke in ihre Lebensräume und Besonderheiten. Gern können zur Vorbereitung die Online-Lernangebote → Amphibien und Reptilien Grundwissen und → Feldherpetologie Reptilien Aufbauwissen genutzt werden. Im Anschluss führt uns eine Exkursion durch das Weideprojekt des Isartalvereins im Kiefern-Schneeheidewald, wo wir mehr über naturnahe Beweidung und ihre Bedeutung für die Biodiversität erfahren. Auch Amphibien und die Rolle der Weidetiere im Ökosystem stehen dabei im Fokus. Am Nachmittag sind wir auf den Brennen (Kiesflächen, die vom Hochwasser aufgeschüttet wurden) und in den Wäldern der Isarauen unterwegs. Auf einer kürzeren Wanderung entdecken wir verschiedene Orchideenarten und lernen die besonderen Standortbedingungen dieser Pflanzen kennen.

Am Abend besteht – bei passender Witterung – optional die Möglichkeit, den Tag mit einer Exkursion zu den Fledermäusen am Tölzer Stausee ausklingen zu lassen. Mit etwas Glück beobachten und bestimmen wir die Tiere in ihrer aktiven Phase. In jedem Fall erfahren wir mehr über ihre Lebensweise und Orientierung in der Dämmerung. Auch zum Thema Fledermäuse gibt es ein passendes Online-Lernangebot: → Fledermäuse Grundwissen.

3. Tag: Alpine Landschaft und die Kraft des Wassers

Zu Beginn des Tages fahren wir gemeinsam an den Kochelsee. Von dort setzen wir unsere Route in Richtung Urfeld am Walchensee fort und starten dort eine abwechslungsreiche Wanderung bis zum Walchenseekraftwerk. Unterwegs erschließen sich uns eindrucksvolle Perspektiven auf die alpine Landschaft und ihre besonderen ökologischen Bedingungen sowie auf einige Orchideen am Wegesrand. Im weiteren Verlauf des Tages erhalten wir bei einer Führung im Walchenseekraftwerk Einblicke in die Energiegewinnung aus Wasserkraft sowie in die Geschichte und Bedeutung dieser Anlage und diskutieren die Schattenseiten. Danach führt uns unsere Wanderung durch den Felsenweg zurück nach Schlehdorf, wobei wir die vielfältigen Eindrücke der Natur noch einmal auf uns wirken lassen.

Den optionalen Tagesabschluss bildet ein Abendansitz in einem Biberrevier bei Waldram oder Geretsried. In ruhiger Atmosphäre erfahren wir mehr über ihre Lebensweise und ihren Lebensraum und beobachten auch mit etwas Glück die Tiere in der Dämmerung. Wenn durch diesen Programmpunkt die Begeisterung für Biberreviere gewachsen ist, kann mit dem Online-Lernangebot → Lebensraum Biberaue kompakt in dieses Thema weiter eingetaucht werden.

4. Tag: Der Fluss, seine Bewohner und sein Ursprung

Der Tag beginnt mit einer Exkursion zum Stauwehr bei Krün. Gemeinsam mit einem Gebietsbetreuer widmen wir uns dort den sogenannten Kiesbankpionieren und lernen die spezialisierten Arten kennen, die sich an die dynamischen Lebensbedingungen der Isar angepasst haben. Anschließend setzen wir unser Programm im Karwendel fort und begeben uns in Richtung der Ursprungsregion der Isar. Von Scharnitz aus unternehmen wir wahlweise eine Fahrrad- oder E-Bike-Tour zu den Isarquellen. Die Strecke führt durch eine eindrucksvolle Gebirgslandschaft und vermittelt einen unmittelbaren Eindruck vom Ursprung des Flusssystems. Alternativ bietet sich eine Exkursion entlang des Rißbachs und der oberen Isar an, verbunden mit einem Besuch des Naturparkhauses Hinterriß oder einer Wanderung von der Rißbachmündung nach Wallgau.

Zum Ausklang des Tages besteht die Möglichkeit, den Abend gemeinsam und flexibel zu gestalten. Je nach Interesse bietet sich ein weiterer Aufenthalt am Fluss an, bei dem wir die Eindrücke der vergangenen Tage in ruhiger Atmosphäre nachklingen lassen, oder der Abend steht zur freien Verfügung.

5. Tag: Naturräume um die Isar und Abreise

Zum Abschluss der gemeinsamen Tage wandern wir von der Jugendsiedlung Hochland zum Malerwinkel bei Königsdorf. Die Route führt durch die vielfältigen Lebensräume des Isartals: durch lichte Schneeheide-Kiefernwälder, artenreiche Magerrasen und Blühwiesen sowie entlang der naturnahen Flussauen der Isar. Am Isar-Durchbruch wird besonders deutlich, wie die Kraft des Wassers diese einzigartige Landschaft geprägt hat und warum die Isar hier zu den wertvollsten Flusslandschaften Bayerns zählt.

Anschließend erfolgt ab 13:00 Uhr die Verabschiedung und Abreise – mit hoffentlich vertieften Einblicken in die Lebensräume entlang der Isar, ihre charakteristischen Arten und die Dynamik dieser einzigartigen Flusslandschaft im Handgepäck. Individuelle Rückreise.

Artimpressionen

Preise pro Person

Grundpreis mit Unterkunft bei 5 – 7 Teilnehmenden
inklusive Frühstück und 4x Abendessen:* 1165 €
und 2x Abendessen:** 1065 €

Grundpreis mit Unterkunft bei 8 – 9 Teilnehmenden
inklusive Frühstück und 4x Abendessen:* 990 €

Grundpreis mit Unterkunft bei 10 – 12 Teilnehmenden
inklusive Frühstück und 4x Abendessen:* 950 €

Grundpreis ohne Unterkunft
inklusive 2x Abendessen:* 823 €

*(1. bis 4. Tag)
**(1. und 4. Tag: Gemeinsames Abendessen zum Kennenlernen und für einen Abschluss der Reise)

Nachlässe auf Grundpreis

Mitglieder des NABU: 3 %
Registrierte Nutzer*innen des Meldeportals von NABU|naturgucker/der NABU|naturgucker-Akademie: 3 %
Aktive Beobachter*innen mit min. 250 Beobachtungen auf dem Meldeportal von NABU|naturgucker: 4,5 %

Es kann pro Person jeweils nur einer der drei zuvor genannten Preisnachlässe in Anspruch genommen werden. Sie sind auf beide  Grundpreise mit oder ohne Unterkunft anwendbar.

An-/Abreisemöglichkeiten

Leistungen

Nicht eingeschlossene Leistungen

  • An-/Abreise nach/von Bad Tölz
  • Übrige Mahlzeiten
  • Anmietung Fahrrad*
  • Getränke und Snacks
  • Trinkgelder
  • Persönliche Ausgaben

*Vorherige Reservierung durch NABU|naturgucker möglich

Hinweise

Die Mindestanzahl der Teilnehmenden muss bis 4 Wochen vor Beginn der Praxistage erreicht sein.

Die Programmpunkte werden von uns bei Bedarf den lokalen Bedingungen angepasst.

Veranstalter dieser Praxistage ist NABU|naturgucker-Reisen der → NABU|naturgucker geG. Es gelten die folgenden → Reisebedingungen. Hier finden Sie die Angaben zum → Datenschutz.

Die mit NABU|naturgucker-Reisen erwirtschafteten Erträge dienen ausschließlich gemeinnützigen Zwecken.