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Nosferatu-Spinne in Deutschland

  • Die Nosferatu-Spinne (Zoropsis spinimana) hat sich in Deutschland ausgebreitet; Spinne (c) Andreas Deppermann/NABU-naturgucker.de
    Die Nosferatu-Spinne (Zoropsis spinimana) hat sich in Deutschland ausgebreitet; Spinne (c) Andreas Deppermann/NABU-naturgucker.de

Seit ihrem ersten Nachweis in Deutschland im Jahr 2005, hat sich die Nosferatu-Spinne (Zoropsis spinimana) hierzulande massiv ausgebreitet – zum Teil mit ungewollter Unterstützung durch den Menschen. Der am 30. August 2022 gestartete → Meldeaufruf von NABU|naturgucker und NABU Baden-Württemberg führte zu einer erheblichen Zunahme von Fundmeldungen und mündete in die größte Citizen-Science-Aktion zur Nosferatu-Spinne. Sie ist ein Beispiel für den immensen Erfolg und den hohen wissenschaftlichen Wert von Mitmachaktionen, bei denen viele interessierte Menschen ohne spezielle Fachkenntnisse ihre Naturbeobachtungen dokumentieren. Dank der eigens für das Vorhaben veröffentlichten → Aktionsseite ist die Dokumentation der Beobachtungen besonders einfach.

Unsere Analyse dieser Daten, die 2024 in der internationalen Fachzeitschrift Frontiers in Arachnid Science veröffentlicht wurde, zeigt, dass das Vorkommen der Art bis dahin stark unterschätzt wurde. Dies wird durch den Vergleich der Fundkarten (≠ Verbreitungskarten) deutlich. Anhand von detaillierten Beobachtungsdaten und zahlreichen Fotos konnten zudem weitere interessante ökologische Erkenntnisse über diese Spinnenart gewonnen werden.

Wir werden unsere Untersuchungen auch in Zukunft fortsetzen, da immer noch zahlreiche Sichtungen von Nosferatu-Spinnen in unserem Meldeportal dokumentiert werden.

Ergebnisse unserer Auswertung der Daten aus den Jahren 2022 und 2023

Erkenntnisse aus unserer Erforschung der Nosferatu-Spinne in Deutschland
Erkenntnisse aus unserer Erforschung der Nosferatu-Spinne in Deutschland

In der Studie1 präsentieren wir Ergebnisse aus der vermutlich größten Bilder-, Video- und Beobachtungsdatensammlung zur Nosferatu-Spinne. Im Detail haben wir einen fünfwöchigen Datensatz der Meldungen ausgewertet, was spannende Entdeckungen zutage förderte.

Das Meldeportal von NABU|naturgucker bietet dank der zahlreichen Einsendungen eine sehr große öffentlich einsehbare Bilder- und Videogalerie dieser Spinnenart.

Die gut erkennbare Art (82 % korrekte Artzuordnung der Fotos und Videos) wurde in Deutschland bis vor dem Beginn unserer Meldeaktion offenbar häufig übersehen bzw. blieb undokumentiert.

Es wurden Vorkommen in mehr als 300 TK25-Blätter aus allen Bundesländern neu nachgewiesen.

Die von uns ausgewerteten Beobachtungsdaten (Meldungen mit je mindestens einem Belegbild) zeigen, dass die Art bereits 2022 praktisch deutschlandweit verbreitet war. Lediglich Mecklenburg-Vorpommern wies bis dahin nur vom Menschen unbemerkt dorthin verbrachte Individuen auf.

Die Nosferatu-Spinne lebt in Deutschland gerne in unserer Nähe (49 % der Funde im und um das Haus, 33 % im Insektenschnapper oder Glas). Somit ist die Lebensweise dieser Spinnenart synanthrop, wie es in der Fachsprache heißt.

Erwachsene Individuen und Jungspinnen kommen das ganze Jahr über in Deutschland vor.

Der Datenbestand ermöglichte Rückschlüsse auf ökologische Aspekte wie verlängerte Paarungsaktivitäten und temperaturabhängige Entwicklungszeit im Eikokon.

Nosferatu-Spinnen ernähren sich unter anderem von (anderen) Spinnen, die durchaus auch größer sein können als sie selbst. Außerdem fressen sie Fliegen und Falter.

Für inhaltliche Fragen zum Forschungsprojekt wenden Sie sich bitte gern an Dr. Alexander Wirth.

Neue Ergebnisse aus dem Jahr 2026

Im Meldeportal von NABU|naturgucker sind inzwischen mehr als 30.000 Fotos der Nosferatu-Spinne zu finden. Eine neue Auswertung dieser Datensammlung gewährt interessante Einblicke in die weitere Entwicklung des Vorkommens dieser Spinnenart in Deutschland.

Hinweis: Die folgenden Grafiken sind interaktiv. Ihre Legendeneinträge lassen sich per Klick auswählen. Zusatzinformationen zu den Diagrammen können Sie anzeigen lassen, indem Sie mit dem Mauszeiger darüber fahren. Probieren Sie es aus!

Anhand der Karte zeigt sich, dass im Meldeportal inzwischen mehr Funde aus dem Norden und dem Südosten Deutschlands dokumentiert sind als noch im „Nosferatu-Jahr“ 2022.

In den Folgejahren wurden sehr verstreut Funde aus Mecklenburg-Vorpommern gemeldet, was darauf hindeutet, dass auch dieses Bundesland von der Nosferatu-Spinne besiedelt ist. 2022 war das noch nicht der Fall; damals gab es nur einen Beleg für die Verschleppung eines Exemplars im Reisegepäck. Weitere Beobachtungsmeldungen mit Belegbildern aus dieser Region und natürlich aus dem ganzen Land sind sehr willkommen!

Aus Schleswig-Holstein und dem äußersten Nordwesten liegen uns mittlerweile ebenfalls mehr Daten vor. Es ist denkbar, dass einige dieser Spinnenindividuen als unentdeckte Mitreisende im Gepäck der Urlauber*innen in die beliebten Ferienorte an der Nordsee gelangt sind.

Eine weitere nach 2022 eroberte Stadt ist Lübeck. Von dort gab es 2022 noch keinen Fotonachweis; die ersten Belegbilder der Nosferatu-Spinne aus Lübeck stammen aus dem Jahr 2024.

Bei der Betrachtung der Beobachtungen mit Bildern aus den vergangenen Jahren fällt 2022 besonders auf. In diesem Jahr gab es so viele mediale Meldeaufrufe, dass sehr viele Beobachtungen zusammengetragen wurden. Spannend ist jedoch, dass über alle Jahre hinweg weiterhin zahlreiche Meldungen eingingen (zwischen 3.000 und 5.000 Bilder pro Jahr).

Im Frühjahr 2026 gab es so viele Meldungen mit Bildern wie noch nie zuvor: Bislang sind bereits über 2.500 Fotos eingegangen. Betrachtet man diesen Zeitraum (Januar bis Mai) für die einzelnen Bundesländer, ergibt sich für fast alle ein Fotomelderekord für das Frühjahr 2026.

Wenn wir uns den jahreszeitlichen Verlauf der Meldungen anschauen (Phänologie), zeigt sich, dass die Art nicht nur im Spätsommer und Frühherbst aktiv ist. Dank des andauernden Meldeaufrufs und der Bereitschaft vieler Menschen, ihre Beobachtungen dieser Spinnenart auf unserem Meldeportal zu dokumentieren, können wir auch ihre Frühjahrsaktivität nun besser nachzeichnen.

Bis wir jedoch eine echte Phänologie der Art skizzieren können, sind noch einige Meldungen erforderlich, da die dieser Kurve zugrunde liegenden Daten derzeit noch stark davon beeinflusst sind, wann die Medien verstärkt über die Nosferatu-Spinne berichten und zum Melden von Sichtungen aufrufen.

Ein weiterer Aspekt ist erwähnenswert. Nicht alle Spinnen, die sich im Haus oder Garten finden lassen, sind Nosferatu-Spinnen. Es gibt ähnlich große Arten, die synanthrop, also zusammen mit dem Menschen, leben. Zurzeit wird die Nosferatu-Spinne am häufigsten mit den Winkelspinnen verwechselt, beispielsweise mit der → Großen Hauswinkelspinne (Eratigena atrica) oder der → Rostroten Winkelspinne (Tegenaria ferruginea). Die Winkelspinnen machen zusammen 50 % der Verwechslungen aus. Weitere 25 % entfallen auf die → Vierfleckzartspinne (Anyphaena accentuata) und die restlichen 25 % teilen sich viele andere Spinnenarten auf.

Künftig Erforschung weiterer Aspekte

Weil nach wie vor etliche Details aus dem Leben der Nosferatu-Spinne unbekannt sind, werden wir in diesem Bereich weiterhin forschen. Wir gehen unter anderem davon aus, dass künftige Auswertungen neu eingereichter Beobachtungsdaten den weiteren Verlauf der Ausbreitung der Art vermutlich auch in Mecklenburg-Vorpommern dokumentieren werden. Außerdem sind wir gespannt auf Bildmaterial, das uns hoffentlich verraten wird, wer die Nosferatu-Spinne in Schach hält. Also: Wer sind hierzulande ihre natürlichen Fressfeinde? Das und vieles mehr wird Gegenstand unserer kommenden Analysen sein. Sie können uns dabei durch das → Dokumentieren bestimmter Aspekte unterstützen.

Originalpublikation

Updated distribution of Zoropsis spinimana (Dufour, 1820; Araneae: Zoropsidae) in Germany and novel insights into its ecology based on a citizen science survey

Alexander Wirth, Gaby Schulemann-Maier (NABU|naturgucker geG)
Front. Arachn. Sci. | Sec. Arachnid Ecology and Behavior | Volume 3 – 2024 | doi: 10.3389/frchs.2024.1383339
→ Link zum Artikel

Bildquellen
Freigestellte Nosferatu-Spinnen: 1 (c) Andreas Deppermann/NABU-naturgucker.de; 2 (c) Marina Muhr/NABU-naturgucker.de, 3 (c) Sonja Hahn/NABU-naturgucker.de; Cartoon-Zeichnungen via Pixabay; alle weiteren Grafiken: (c) NABU|naturgucker