Land: Deutschland/Niederlande
Termin: 04.11.2026 bis 08.11.2026 (5 Tage)
Referent: → Thomas Griesohn-Pflieger
Teilnehmende: min. 7, max. 12
Veranstalter: NABU|naturgucker-Reisen
Zielarten dieser Praxistage
Blässgans, Tundra-Saatgans, Nonnengans, Rostgans, Brandgans, Pfeifente, Spießente, Krickente, Reiherente, Tafelente, Silberreiher, Löffler, Sperber, Kornweihe, Wanderfalke, Kiebitz, Großer Brachvogel, Kampfläufer, Alpenstrandläufer, Mittelmeermöwe, Heringsmöwe, Steppenmöwe, Silbermöwe, Sturmmöwe, Wiesenpieper, Bergpieper, Schwarzkehlchen
Der Niederrhein ist für Zugvögel aus dem Norden ein gutes Ziel: Das gemäßigte milde Klima im Nordwesten Deutschlands, der schon deutlich atlantisch geprägt ist, lässt das Gras meist den ganzen Winter über wachsen. Der Flickenteppich aus Seen, die durch Kies- und Sandabbau entstanden sind, sowie die Rheinaltarme und der große Strom selbst bieten eine Fülle unterschiedlicher Wasserlebensräume. Hinzu kommen weite Wiesen- und Weidenbereiche, die den Vögeln des Offenlandes ideale Überwinterungsbedingungen bieten. Diese fünf Praxistage eignen sich gut für Neulinge der Vogelbeobachtung, da die Vögel lange und meist auch nah zu beobachten sind.
Große geschützte Wiesenbereiche bieten Zehntausenden von arktischen Wildgänsen ein klimatisch günstiges Winterquartier. Schon Anfang Oktober sind die ersten Blässgansschwärme eingetroffen, und nun werden es täglich mehr. Daneben finden sich → Saatgänse und seit einigen Jahren auch immer mehr → Nonnengänse ein. → Grau- und → Kanadagänse, → Nil- und → Rostgänse ergänzen das Potpourri. Man geht davon aus, dass zwischen Duisburg und der Landesgrenze zu den Niederlanden etwa 200 000 Wildgänse am Niederrhein überwintern. Neben diesen attraktiven großen Schwärmen beobachten wir die frisch vermauserten prächtigen Enten, und natürlich sind darüber hinaus Taucher, Rallen, Reiher und Möwen zu sehen.
Neben den Wiesenlandschaften in der Rheinaue und im benachbarten Münsterland besuchen wir auf der niederländischen Seite einige sehr bedeutsame Schutzgebiete im Überschwemmungsbereich des Rheins, der sich dort in Nederrijn und Waal teilt. Mit vielen weiteren Arten ist im Spätherbst zu rechnen: Pieper, Drosseln, Wasser- und Strandläufer, Gründel- und Tauchenten … Den Vogelschwärmen folgen Greifvögel wie → Merlin, → Sperber, → Wanderfalke, → Seeadler und die seltenen → Kornweihen. Vielleicht sind außerdem schon erste Wintergäste wie → Raubwürger, → Rotdrossel und → Bergpieper zu sehen. Gänse gibt es dort auf jeden Fall.
Diese Praxistage mit herbstlichem Charakter führen in die rheinische Grenzregion. Dort können Einsteiger*innen sowie interessierte Beobachter*innen viel lernen, und Fortgeschrittene können ihre Kenntnisse auffrischen.
Wer noch tiefer in die Ornithologie einsteigen möchte, kann dies mit dem kostenlosen Online-Lernangebot → Vögel Grundwissen, → Vögel kompakt oder → Feldornithologie Aufbauwissen der NABU|naturgucker-Akademie tun – vor oder nach den Praxistagen. Die Beschäftigung mit dem Kurs ist keine Voraussetzung für die Teilnahme. Besonderes Augenmerk kann auf die Kapitel „3. Begegnungsort Wasser“ und „5. Vogelzug“ gelegt werden. Und wer sich in die teils herausfordernde Bestimmung von Watvögeln einarbeiten möchte, findet Unterstützung im ebenfalls kostenlosen Online-Kurs → Watvögel Aufbauwissen.
Programm
1. Tag: Dingdener Heide und Kennenlernen der (Arten-)Gruppe
Wir treffen uns um 13 Uhr in Dingden und brechen nach Kuchen und Kaffee oder Tee zu einem ersten Beobachtungsgang in die Dingdener Heide auf. Diese weite, von Hecken und Feldgehölzen, Wasserstellen, aber auch einigen Äckern geprägte Landschaft beherbergt eine Fülle von Vogelarten. Wir können im Oktober noch mit → Schwarzkehlchen und → Wiesenpiepern rechnen und vielleicht schon die ersten → Bergpieper sehen, die dort überwintern oder rasten. Brachvögel, → Kiebitze, eventuell → Bekassinen, → Brandgänse und andere Wasservögel erwarten wir im nassen Zentrum des Gebietes. Dort werden wir → Blässgänse und mit Glück → Tundra-Saatgans und → Nonnengans sehen können. Als Durchzügler sind Drosseln, Pieper und Finken zu erwarten. → Raubwürger und → Kornweihen sind in der Gegend Wintergäste, die je nach Witterungsverlauf im Oktober schon zu beobachten sind. Zum Abendessen sind wir im Klausenhof. Danach treffen wir uns im „Heidekeller“, gehen die Beobachtungen des Tages durch und bereiten die des nächsten Tages vor.
Wegstrecke: ca. 6 km
2. Tag: Auf in die Niederlande
Nach dem Frühstück fahren wir los und besuchen in den Niederlanden einige vom Rhein geprägte Schutzgebiete. Es ist mit vielen Überraschungen zu rechnen!
Die alten Rheinarme sind wieder so mit dem Rhein verbunden, dass sie bei Hochwasser durchspült werden und andererseits als Rückhaltebecken dienen. Je nach Wasserstand ändert sich die Artenzusammensetzung der → Avifauna. Watvögel wie Brachvögel und → Uferschnepfen sind genauso möglich wie riesige Gänseschwärme, → Löffler, Seeadler und Wanderfalken. Und dazu singen Seidensänger und „pinke“ → Bartmeisen.
An einem alten Deichbruch und dahinterliegenden Ausschwemmungen erwarten wir im Jezuitenwaaj Gänse, Reiher, Taucher, Schnepfenvögel und Greifvögel. In der reizvollen, an afrikanische Savanne erinnernden Weidelandschaft können wir mit Überraschungen rechnen.
→ Wacholder- und → Rotdrosseln werden von den Beeren der Weißdornbüsche angezogen, die Weiden laden je nach Vegetationshöhe Pieper, Lerchen und Wildgänse zur Nahrungssuche ein.
Nachmittags besuchen wir ein neu geschaffenes Naturgebiet bei Arnheim. Dort wird anschaulich, wie ernst in den Niederlanden die Kombination von Natur und Naturerlebnis für die Bevölkerung genommen wird. In einem wasserreichen Gebiet mit angelegten Biotopen wurden schon sehr schöne Beobachtungen von Wasserläufern, Schnepfen, Möwen, Löfflern und Greifvögeln gemacht. Dann geht es über die Autobahn wieder nach Dingden.
Abends erstellen wir gemeinsam die Artenliste des Tages, üben das Bestimmen von weiblichen Enten und diskutieren die unterschiedlichen Strategien der Vögel, über die kalte Jahreszeit zu kommen.
Wegstrecke: 8 km, Fahrweg: circa 120 km
3. Tag: Walsumer Rheinaue
Heute fahren wir einige Kilometer rheinaufwärts nach Duisburg. Das hört sich zunächst nicht nach ergiebigen Naturbeobachtungen an, aber in der Rheinaue finden sich dennoch wertvolle Naturbereiche „aus zweiter Hand“.
Nach gut 30 Fahrkilometern erreichen wir das 558 Hektar große → NSG Rheinaue Walsum. Bislang wurden dort, so der örtliche NABU, 400 Pflanzen und mindestens 200 Vogelarten nachgewiesen, davon etwa 90 Brutvogelarten. Durch die Lage am Rhein befindet sich die Rheinaue an einer wichtigen Vogelzuglinie und ist → Vogelschutzgebiet sowie → FFH-Gebiet.
„Unter dem Gebiet wurde bis 2006 Steinkohlenbergbau betrieben. Als Folge des Abbaus brechen die Deckschichten ein. An der Oberfläche entstehen dadurch Bergsenkungsmulden, die sich mit Grundwasser füllen können. Diese aus ‚zweiter Hand‘ entstandenen Feuchtlebensräume machen heute den besonderen Wert der Rheinaue Walsum aus“, so der NABU Duisburg in einer Gebietsbeschreibung. Weitläufige Grünlandflächen, hauptsächlich zwischen Deich und Strom, ziehen vor allem Grasfresser wie die Wildgänse an, während in den kleinen Feuchtgebieten viele Arten von Enten zu erwarten sind. Die eingestreuten Wiesenbereiche mit sehenswerten Kopfweiden, Gehölzpflanzungen und Röhrichten lassen Singvögel wie Wacholder- und Rotdrosseln, Pieper, Stelzen und die entsprechenden gefiederten Prädatoren erwarten.
Wie jeden Abend erfolgen später das Erstellen der Artenliste und die Diskussion der Beobachtungen des Tages.
Wegstrecke: ca. 4 km
4. Tag: Haaksberger Veen (Moor)
Unser Ziel für heute ist das Haaksberger Veen, ein Moor an der Grenze zwischen den Niederlanden und Deutschland, das wir in einer knappen Stunde erreichen. Zwar ist es etwas übertrieben, schon von einem richtigen Moor zu sprechen, aber das ehemals abgetorfte Hochmoor ist auf einem guten Weg, wieder eines zu werden. Während sich die deutsche Seite als dichter Wald präsentiert, wird die niederländische Seite renaturiert und ist im Zentrum bereits weitgehend baumfrei, abgesehen von einigen Kiefernbüschen.
Genau diese werden wir uns gründlich anschauen, da Raubwürger solche Ansitzwarten nutzen. In den letzten Jahren waren in jedem Winter Raubwürger in wechselnder Anzahl dort anzutreffen. Aber suchen und finden müssen wir sie schon noch. Auch → Habicht, → Sperber und → Turmfalke zählen zu den regelmäßigen Besuchern. Darüber hinaus können wir mit etwas Glück Kornweihen beobachten. Außerdem sollten → Bluthänflinge, → Rohrammern und Wiesenpieper zu sehen sein, ebenso wie Gänse.
Auf dem Rückweg machen wir eine wegen des lokaltypische Ambientes stimmungsvolle Mittagspause genau auf der Grenze zu Deutschland mit Kuchen und Sahne (appelgebak met slagroom), Kaffee, Kakao und anderen, wahlweise auch herzhaften Köstlichkeiten. Anschließend geht es wieder ins westliche Münsterland.
Im Westen von Rhede liegt das Naturschutzgebiet „Versunken Bokelt“. Es ist das nächste sehr ergiebige Gebiet, das wir an diesem Tag besuchen. Das ehemalige Abgrabungsgewässer ist heute von herausragender Bedeutung als Brut- und Überwinterungsgebiet für gefährdete Vogelarten. Während unserer Reisezeit im späten Herbst ist oft besonders viel los, wenn Hunderte → Graugänse, Blässgänse und → Kormorane dort rasten. Oft lassen sich → Eisvögel blicken, die direkt vor der Beobachtungshütte rüttelnd nach Beute Ausschau halten. → Gänsesäger, viele → Schnatterenten, → Silbermöwen, → Sturmmöwen, → Zwergtaucher … Diese und weitere Arten sollten uns schwimmend, badend, tauchend und fliegend „unterhalten”.
Mit einem Schlenker durch die Dingdener Heide mit wahrscheinlichen Beobachtungen von Bläss- und Graugänsen fahren wir schließlich zurück nach Dingden in den Klausenhof.
Wegstrecke: ca. 3 km, Fahrweg: etwa 130 km
5. Tag: Bislicher Insel – Rückreise
Nach kurzer Fahrt über den Rhein wandern wir vom Deich aus durch eine reizvolle Wiesenlandschaft mit hunderten Gänsen sowie → Feldlerchen, Wiesenpiepern, → Saatkrähen und vielleicht Greifvögeln zur „Flutmulde“. Dort können wir eine Reihe von Entenarten, mit Glück außerdem Löffler und → Silberreiher sowie durchziehende Möwen und → Limikolen erwarten. Aber oft sind auch interessante Kleinvögel in der weiten Wiesenlandschaft mit ihren hunderten Zaunpfosten zu sehen, darunter → Bergpieper, Schwarzkehlchen, Feldsperling, → Stieglitz, Bluthänfling und dazu oft große Schwärme von Saatkrähen. Durchziehende Rohr- und Kornweihen und andere Greifvögel sind dort keine Seltenheit. Sperber, Habicht und Wanderfalke werden von den vielen Vögeln angezogen.
Eine Besonderheit dieser Region sind Rostgänse, die schon seit mehreren Jahrzehnten in der Gegend brüten. Oft sind im Oktober erste Wintergäste wie → Erlenzeisige, Wacholder- und Rotdrosseln zu sehen. Seeadler brüten hier seit vielen Jahren und lassen sich manchmal bei der Jagd auf Gänse beobachten, denn die arktischen Gänse suchen die mit Wasser gefüllten früheren Kiesgruben zum Schlafen und Trinken auf und baden im Flachwasser der Flutmulden.
Nach der Abschiedssuppe im Klausenhof werden wir uns gegen 14 Uhr verabschieden und den Heimweg antreten.
Wegstrecke: 6 km, Fahrweg: ca. 50 km
Artimpressionen
Preise pro Person
Die Preise für diese Praxistage in der Saison 2026 stehen derzeit noch nicht fest.
Nachlässe auf Grundpreis
Mitglieder des NABU: 3 %
Registrierte Nutzer*innen des Meldeportals von NABU|naturgucker/der NABU|naturgucker-Akademie: 3 %
Aktive Beobachter*innen mit min. 250 Beobachtungen auf dem Meldeportal von NABU|naturgucker: 4,5 %
Es kann pro Person jeweils nur einer der drei zuvor genannten Preisnachlässe in Anspruch genommen werden.
Leistungen
- Hotelübernachtungen (wenn gebucht)
- Halbpension
- Alle Exkursionen und Transfers gemäß Programm
- Eintritte laut Programm
- Kursleitung
- Reduktion des CO2-Fußabdruckes via → atmosfair gemäß → ökologischer Verpflichtungserklärung
Nicht eingeschlossene Leistungen
- An-/Abreise nach/von Dingden
- Übrige Mahlzeiten (vor Ort als Mittagspicknick oder im Restaurant)
- Getränke
- Trinkgelder
- Persönliche Ausgaben
Hinweise
Die Mindestanzahl der Teilnehmenden muss bis 4 Wochen vor Beginn der Praxistage erreicht sein.
Die Programmpunkte werden von uns bei Bedarf den lokalen Bedingungen angepasst.
Veranstalter dieser Praxistage ist NABU|naturgucker-Reisen der → NABU|naturgucker geG. Es gelten die folgenden → Reisebedingungen. Hier finden Sie die Angaben zum → Datenschutz.
Die mit NABU|naturgucker-Reisen erwirtschafteten Erträge dienen ausschließlich gemeinnützigen Zwecken.
Praxistage-Rückblicke
Ihr Artenwissen vergrößern bei der NABU|naturgucker-Akademie
Für alle, die gern ihr Wissen über Vögel ausbauen möchten, gibt es gleich mehrere Online-Kurse:
- Vögel Grundwissen
- Vögel kompakt
- Watvögel Aufbauwissen
- Feldornithologie Aufbauwissen
Und Anfang 2026 wird der Kurs „Greifvögel, Eulen und Falken“ veröffentlicht.
Lernen Sie mit uns, wie Vögel leben, wie sie sich ernähren, wie sie klingen und sich bestimmen lassen!
Die NABU|naturgucker-Akademie ist ein Online-Lernort für Naturbegeisterte mit vielfältigem Angebot. Dabei entscheiden Sie, wann und wie viel Sie lernen möchten. Sämtliche Inhalte stehen Ihnen kostenlos zur Verfügung.


















