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2026 – das Jahr der Gottesanbeterin?

  • Gottesanbeterin (Mantis religiosa), (c) Martina Limprecht/NABU-naturgucker.de
    Gottesanbeterin (Mantis religiosa), (c) Martina Limprecht/NABU-naturgucker.de

Stand: 03.08.2026

Dieses Jahr gehen die Beobachtungen der Gottesanbeterin (Mantis religiosa) sprichwörtlich durch die Decke. Hatten wir im vergangenen Jahr noch von → so vielen wie noch nie berichtet, wurde der bisherige Höchstwert bereits Anfang August 2026 deutlich übertroffen. Wir verfolgen diese Entwicklung mit großem Interesse und haben auf Grundlage Ihrer Beobachtungen einige Zahlen zusammengestellt.

⚠️Hinweis: Viele Grafiken sind interaktiv. Ihre Legendeneinträge lassen sich per Klick auswählen. Zusatzinformationen zu den Diagrammen können Sie anzeigen lassen, indem Sie mit dem Mauszeiger darüber fahren. Probieren Sie es aus!

Vergleicht man für die Jahre 2020 bis 2026 jeweils den Zeitraum vom 1. Januar bis 3. August, zeigt sich, dass die Gottesanbeterin im Jahr 2026 mit großem Abstand am häufigsten gemeldet und erfreulicherweise auch fotografiert wurde. Mehr als drei Viertel aller Beobachtungen (77 %) wurden mit einem Foto dokumentiert.

Der Zeitraum, in dem Gottesanbeterinnen auf dem → Meldeportal von NABU|naturgucker in Deutschland gemeldet werden, hat sich auch 2026 nicht nennenswert verschoben. Allerdings wurden bereits ab Ende Juni merklich mehr Beobachtungen gemeldet. Dennoch lassen sich Gottesanbeterinnen auch noch im August und September beobachten. Wir werden die weitere Entwicklung aufmerksam verfolgen. Schauen Sie also weiterhin hin und dokumentieren Sie Ihre Funde mithilfe unserer → Aktionsseite.

Vergleicht man die Anzahl der Fotos pro Bundesland für den Zeitraum vom 1. Januar bis 3. August zeigt sich, dass in 2026 deutlich mehr Gottesanbeterinnen fotografisch dokumentiert wurden. Ähnliches gilt für den Vergleich von TK25-Blättern (Topografische Karte 1:25.000, Messtischblatt) mit Fotobelegen für den Zeitraum vom 1. Januar bis 3. August. Hier zeigt sich, dass in den Bundesländern, in denen die Art verbreitet ist, Beobachtungen aus deutlich mehr TK25-Blättern stammen als im selben Zeitraum der Vorjahre.

Noch spannender ist der Vergleich ohne Einschränkung auf den Zeitraum vom 1. Januar bis 3. August. Vergleicht man die Gesamtjahre 2020 bis 2025 mit den bereits bis zum 3. August 2026 vorliegenden Daten, zeigt sich, dass aus einigen Bundesländern schon jetzt mehr Fotos von Gottesanbeterinnen hochgeladen wurden, als im gesamten Vorjahr.

Auch hier lohnt sich der Blick auf die Verbreitung anhand der TK25-Blätter mit Beobachtungen der Gottesanbeterin. Dort zeigt sich vor allem im Süden (Baden-Württemberg und Bayern) eine Zunahme an TK25-Blättern mit Beobachtungen der Gottesanbeterin, sodass auch hier bereits Meldungen aus mehr TK25-Blättern vorliegen als in den gesamten Vorjahren. Das dürfte auf die Temperaturen in den jeweiligen Bundesländern zurückzuführen sein (dazu weiter unten mehr).

Natürlich zeigt sich diese Zunahme auch in der Karte.

Auf dieser Karte sind Funde von Gottesanbeterinnen mit Foto für den Zeitraum vom 1. Januar bis 3. August dargestellt. Es zeigt sich, dass die Art in diesem Zeitraum im Jahr 2026 aus zahlreichen weiteren Ecken der Republik gemeldet wurde als in den Jahren zuvor (im selben Zeitraum).

Auf dieser Karte sind die Funde für die Jahre 2020 bis 2025 (jeweils vom 1. Januar bis 3. August) zusammengefasst dargestellt und den Beobachtungen aus dem Jahr 2026 gegenübergestellt. Beeindruckend ist, wie viele Beobachtungen aus zahlreichen Regionen Deutschlands eingegangen sind. Spannend ist hierbei vor allem die Frage, warum bereits zu Beginn der „Gottesanbeterinnen-Saison“ so viele Funde gemeldet wurden.

Als wärmeliebende Art benötigt die Gottesanbeterin nicht nur selbst hohe Temperaturen, auch ihre Eier sind auf Wärme für ihre Entwicklung angewiesen. Die jungen Gottesanbeterinnen schlüpfen erst, wenn über einen längeren Zeitraum ausreichend warme Bedingungen herrschen. So wird sichergestellt, dass der Sommer tatsächlich begonnen hat und die Jungtiere nicht Gefahr laufen, zu (er)frieren bzw. verhungern.

Um diesem Aspekt nachzugehen, haben wir Ihre Meldungen auf TK25-Blatt-Ebene gebündelt (summiert) und die mittleren Temperaturen der jeweiligen TK25-Blätter für den Zeitraum vom 1. Mai bis 30. Juni ermittelt – also für die Zeit, in der sich die Jungtiere entwickeln.

In dieser Grafik ist zu erkennen, dass Beobachtungen ab Kalenderwoche 27 vor allem aus TK25-Blättern vorliegen, in denen die mittlere Temperatur von Mai bis Ende Juni über 14 °C lag. Besonders viele Meldungen stammen aus TK25-Blättern mit Durchschnittstemperaturen von mehr als 17 °C – ein Wert, der sich gut mit den Angaben aus der Literatur1 deckt.

Betrachtet man die Temperaturentwicklung der vergangenen Jahre, zeigt sich, dass es in manchen TK25-Blättern in diesem Zeitraum bis zu 3 °C wärmer war als noch 2024 und 2025. Das warme Frühjahr 2026 hat vermutlich eine beschleunigte Entwicklung der Eier begünstigt und damit zu dem starken Anstieg der Beobachtungen Ende Juli/Anfang August beigetragen.

Diese Temperaturunterschiede dürften ebenfalls eine Rolle bei den regionalen Unterschieden zwischen den Bundesländern spielen. So gab es beispielsweise in Brandenburg oder Sachsen im Zeitraum von Mai bis Juni bislang noch nicht so viele TK25-Blätter mit Durchschnittstemperaturen von mehr als 17 °C, wie die folgende Karte zeigt. Dort werden die Meldungen daher in nächster Zeit vermutlich noch weiter zunehmen.

Die Karte zeigt TK25-Blätter mit einem Mittelwert von mehr als 17 °C für Mai und Juni 2026 in Rot und solche mit niedrigeren Werten in Blau. In Gelb sind die Beobachtungspunkte der Gottesanbeterin aus dem Jahr 2026 dargestellt. Es bleibt also interessant zu verfolgen, wie sich die Meldungen weiterentwickeln.

Eigene Beobachtungen melden

Danke an alle, die bereits Gottesanbeterinnen gesichtet und gemeldet haben. Die Lage bleibt spannend, und wir verfolgen aufmerksam, wie sich die Situation entwickelt. Wenn Sie eine Gottesanbeterin sehen, melden Sie diese bitte im Rahmen unserer → Meldeaktion, damit wir ein noch besseres Bild der Art in Deutschland zeichnen können. Am Ende der Saison werfen wir gerne noch einmal einen Blick auf die Zahlen zur Gottesanbeterin.

1Linn, C. A., and Griebeler, E. M. (2016). Habitat Preference of German Mantis religiosa Populations (Mantodea: Mantidae) and Implications for Conservation. Environ Entomol 45, 829–840. doi: → 10.1093/ee/nvw056